Bei Harry

Gäste jederzeit willkommen ....
inharrysbar@freenet.de
"Und so sitzen sie da, Abend für Abend, hängen fest in ihren Erzählungen über die gute alte Zeit...und gedenken seiner...dem einen,der von ihnen ging,als sie noch jung waren..."
Harry`s Bar ist ein Mitglied der Blunaelfe-Familie.
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Verfasst am 28.11.2007 08:10:42 Uhr 2 Story by Laird
War es wirklich schon so lange her? Er musste oft an die Geschichte von damals denken. Ela, Clay, Harksen….Das ganze schien zwar mehr und mehr zu verblassen, aber verschwinden würde es wohl niemals aus seinem Sturschädel. Ab und an erwischte sich Harry dabei, dass er darüber nachdachte, ob er nicht damals einen Schlussstrich hätte ziehen sollen. Sich Mo schnappen, die Bar Bar sein lassen um sich ganz von hier zu verabschieden. Er hatte es mal wieder nicht getan. Und er hatte das Gefühl, dieser Randsaum der Gesellschaft, der die Klientel seiner Bar bildete, dankte es ihm. Es kam ihm vor als seien sie wirklich erleichtert darüber, dass er ihnen nicht dies temporäre Dach über ihren Köpfen genommen hatte und sie weiterhin, Abend für Abend, ihren Gedanken, Träumen und ihrer Hoffnungslosigkeit nachhängen konnten.
Während Harry wieder einmal darüber nachsinnend seine Gläser polierte ertappte er sich, dass er wieder diese Frau anstarrte. Fasst kam es ihm wie ein Deja Vu vor und es wurde ihm bewusst, dass sie völlig fremd hier war….und trotzdem irgendwie den Eindruck erweckte, sie gehöre zum Inventar. Er wusste nicht mehr, wann sie hier auftauchte und es war ihr gelungen sich nahtlos in die Trostlosigkeit dieses Ortes einzugliedern. Sie setzte keine Akzente, war einfach nur da, aber sie kam ihm trotzdem vertraut vor. Seltsam vertraut…..
Aber war es nicht müßig darüber nachzudenken? Alle hier hatte ihre Geschichte. Und sie waren nicht hier um sie zu erzählen, sondern um sie zu vergessen.
Und genau dieses Recht räumte Harry seinen Gästen ein. Ein abgetakelter Hafen im Meer persönlicher Schicksalsschläge…. Nicht mehr , aber auch nicht weniger. Das war seine Bar.
Als der feuchte Geruch der Straße ihm in die Nase kroch, wusste er, dass wieder jemand den Weg zu ihm gefunden hatte und die Bar betrat um ein wenig zu vergessen. Sein Blick ging Richtung Eingangstür….aber,…das war unmöglich. Es durchfuhr ihn wie ein Schlag in die Magengrube und klirrend zerplatzte das Glas, fast fertig poliert, auf dem Boden.
Verfasst am 25.11.2007 23:37:04 Uhr 1 Story by Ela
Sie konnte die Nächte nicht mehr zählen, die sie in dieser Kaschemme verbracht hatte auf ihrer Suche nach der Wahrheit.
Der Wirt, Harry nannten sie ihn, war wohl der sturste und verschwiegenste Dickschädel, der ihr je begegnet war.
Und die Stammgäste - eine Welt für sich. Sie begegneten ihr mit freundlicher Gleichgültigkeit. Solange sie sich ruhig verhielt.
Sobald sie Fragen stellte, ignorierte man sie wie den Dreck auf dem Fußboden.
Sie lachte nicht, denn sie hatte nichts zu lachen. Das Einzige worüber sie hätte lachen können, wäre ihre Einsamkeit gewesen, doch das wagte sie nicht in der Zeit, in der die Einsamkeit ihre einzige Begleiterin zu sein schien.
Männer schauten sie hin und wieder an, warum, das wusste sie nicht, aber sie empfand es nicht als wohltuend.
Das jemandem auffallen würde wie schön golden ihre Locken unter dem Licht wirkten war unmöglich, denn sie waren mittlerweile schwarz. Ein Haarfarbenwechsel für die Entkrönung der Vergangenheit und für die Bejubelung des neuen geheimnisvollen Dunkels in ihrem Leben.
Manchmal, wenn er beim Gläser polieren in seinen eigenen Gedanken verloren minutenlang in ihr Gesicht starrte, spürte sie, wie die Panik in ihr hochkroch.
Wusste er, wer sie war ? Aber wenn er das tat, so bedeutete das, sie war am richtigen Ort ...
Woran sie eigentlich nicht zweifelte, denn sie hatte es gespürt, vom ersten Tag an, als sie die Bar betreten hatte.
Doch seitdem war sie nicht einen einzigen Schritt weiter gekommen, wusste nicht ein Fünkchen mehr als vorher.
Ein kalter Lufthauch erreichte sie, ohne sich umdrehen zu müssen wusste sie, dass sich die Tür geöffnet hatte und sie verpasste deshalb nicht eine Sekunde von Harrys Reaktion auf den eintretenden Gast.
Allerdings würde es noch Wochen dauern, bis sie sich die rasch wechselnden Ausdrücke auf seinem Gesicht würde erklären können.
Schreck ... Angst eventuell ... Ungläubigkeit ... für einen winzigen Moment völliges Erstarren ...
Und dann klirrte es. Unwillkürlich musste sie schmunzeln.
So viele Nächte. Und endlich hatte er nun mal ein Glas fallen lassen.
Verfasst am 16.10.2007 00:13:08 Uhr 33 Story by Laird
Epilog
Auf dem Weg zur Tür zögerte er. Drehte um, legte sein Schlagholz ab und zog sich noch ein Pint. Wohin sollte er eigentlich gehen… Das alles war so irreal.
Harry, denk nach hörte er sich selber sagen. Ela war weg, Clay ebenso. Und wenn sie beide zusammen, irgendwo…
Nein, dann hätte Ela ihren Satelliten nicht einfach hier zurück gelassen. Mann, die sah aus wie ein Becher Sahne nach der ersten Mixer-Runde. Aber Merlot trinken wollen. Na ja, den Eimer Wasser gab´s umsonst.
Harry wusste, dass Ela niemanden im Stich lassen würde…aber.
Die Erscheinung stoppte seine Gedankenübungen. Clay, oder jedenfalls etwas, das entfernt an ihn erinnerte kam durch die Tür.
So wie er aussah, möchte sich Harry nicht vorstellen, wie der Rest der offensichtlichen Schlägerei jetzt leben musste. Wenn er denn lebte.
Mo drückte wie selbstverständlich auf den Doppelespressoknopf der alten Kaffeschlampe. Aber der würde auch nur intravenös helfen. Harry war klar, dass Mr. Tough-Guy die Ratschläge nach medizinischer Betreuung ebenso ignorieren würde wie ein Angebot zum Foxtrott….Aber versuchen musste er es.
Seine Worte blieben ihm im Hals stecken, als die die zweite Fata Morgana des Abends erschien. Ela schien erleichtert, fast euphorisch glücklich.
Harry sah zu Mo herüber und erkannte schon ihren Rosamunde-Pilcher-Blick. Er ertappte sein Gefühl der Erleichterung und als das Traumpaar sich aus dem Laden schlich , in Richtung des nächsten Quacksalbers überkam ihn tiefe Befriedigung.
Das war mal ein versöhnliches Ende.
Harry nahm ein Glas, sein abgegriffenes Handtuch und begann langsam…Da wurde sein Happy-End-Gefühl extrem gestört.
Mister Stelzbock, Idaho, der illegitime Sohn Draculas betrat seine Bar. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen wandte sich der Cowboy der immer noch benommenen Sahneschleuder am Tisch zu und Harry konnte hören, was er ihr flüsterte.
Verdammt! Wenn Ela so viel Vertrauen in ihn hatte….
Scheiße…Da war was faul….
Vampire ? Mensch, Harksen !!
Harrys Cider Konsum des Tages war auf einen Schlag für die Katz…..dass er nicht früher d´rauf gekommen war. Auch Mo hatte wohl denselben Gedanken und wie auf Kommando warf sie ihm den Basi zu.
Jetzt wusste Harry, wo er eben hätte hingehen sollen.
Der alte Schuppen hinter dem Gebäude das damals Don Silvio als Lager für seinen Fusel benutzte. Bevor Harksen es hatte hochgehen lassen. Das war der Grundriss auf der Zeichnung. Der ganze Mist ging Harry noch mal durch den Kopf, als er seinen Pick-Up in Richtung dieser Ruine lenkte. Dort angekommen war alles ruhig.
Scheinbar.
Harry dachte über den besten Weg hinein nach als es dumpf krachte. Er kannte dies Geräusch nur zu gut…und die Frage nach dem Weg hinein war müßig geworden. Er wuchtete seinen Körper gegen die Tür, die alleine bei seinem Anblick wohl aufgegeben hätte und im selben Moment, in dem Harry den Raum betrat, wurde das Schußgeräusch von eben potenziert. Harksen stand mit dem Rücken zu ihm und hatte das Magazin seiner Walther vollends auf den Haufen Mensch vor ihm entleert.
Übrig bleib das Klicken der erschöpften Pistole und sein irres Lachen.
Harry wusste was zu tun war.
Als der Baseballschläger Harksens Hinterkopf traf hörte es sich an wie das Knacken einer Paranuss. Er fiel wie eine gefällte Tanne und noch ihm Fall erwischte ihn der zweite Hieb….Homerun.
Minutenlang stand Harry wie angewurzelt da. Dieser Schweinehund von einem Schnüffler. Krankes Hirn mit Größenwahn. Aber immerhin war von diesem Hirn nicht mehr viel übrig….
Clay und Ela lagen am Boden, einander umarmend als würden sie friedlich schlafen und voneinander träumen. Da zweite Mal heute Abend dachte Harry an Rosamund Pilcher.
Dank Harrys Beziehung zum örtlichen Krematorium war Harksen schnell Geschichte. …
Versonnen stand Harry in seiner Bar.
Ela und Clay hatten sie heute Morgen beerdigt. Er und Mo, Idaho, Marie. Carpe, Bo und Tina. Warfen jeweils ihre Rosen in die Gruft.
Harry hatte zu beginn seiner „Karriere“ mal die alte Gruft auf dem Friedhof drei Strassen weiter erworben, in der Hoffnung er würde sich irgendwann niederlassen, mit Familie und so und er könne sie irgendwann gebrauchen, als letzte Ruhestätte…..
Nun lagen dort zwei, die es im realen Leben zwar geschafft hatten einander zu lieben, nicht aber miteinander zu leben….Möge es ihnen nun gegeben sein miteinander zu ruhen.
Mo schielte zu Harry hinüber während die anderen in Harry´s Bar mit Whisky und Rotwein anstießen.
„ Nen Kaffee ? Oder lieber Cider, Stanislav ?
Harry musste grinsen, und nahm sich ein Glas und ein Handtuch…..
Verfasst am 16.10.2007 00:12:24 Uhr 32 Story by Claymore
"Clay, oh Gott, was ist mit Dir passiert ? ", rief Ela mir zu. Der Schreck über meinen Anblick war kaum zu verbergen.
Dieser Auftritt hier war nicht gut für mein Image. Ich konnte nicht mal lässig rauchen, oder mit einer gekonnten Miene meine Selbstsicherheit demonstrieren. Ich war ihr schutzlos ausgeliefert. Das war kein gutes Gefühl.
Harry hatte sich offensichtlich zum Medizinalrat aufgeschwungen und stellte wirre Diagnosen. Er liess keinen Zweifel daran, dass ein Arztbesuch notwendig sei. Ela zog mich daraufhin am Arm aus der Kneipe.
Während der Fahrt berichtete sie mir von Marie´s Zusammenbruch.
"Du hast sie bei Idaho gelassen?", schrie ich entsetzt. "Der steckt da mit drin!"
"Nein, nein, vertrau´ mir, er kann es nicht gewesen sein."
Wenn sie jetzt sagt, dass sie das spürt, dann spring ich sofort aus der verdammten Karre.
"Ich spüre das!"
Ich betrachtete mein Gesicht im Spiegel der Sonnenblende und kam zu dem Schluss, dass ich den Sprung auf einen besseren Zeitpunkt verlegen würde. Man hatte mir einen gebrauchten Tag angedreht und ich wurde ihn irgendwie nicht mehr los.
"Halt an! Halt sofort an!"
Mit fragendem Blick und quietschenden Reifen brachte Ela den Wagen zum Stehen. Direkt vor "Hängo´s little Tattoo-Shop"
"Wer ist Idaho?", schrie ich, als ich Hängo über den Verkaufstresen zog.
"Ich weiß es nicht, ich kenne ihn nur vom Telefon!", stammelte Hängo ängstlich.
Mein Schlag traf ihn direkt auf der Nase, die sofort zu bluten begann.
"Wer ist Idaho?", wiederholte ich wutschaufend.
"Ich habe ihn nur ein Mal kurz gesehen, als er das Tätowiergerät abgeholt hat. Der Rest lief über das Telefon. So hat er auch meine Schläger bestellt. Er hatte eine Waffe und hat mir gedroht, mich umzulegen. Ehrlich! Das war so ein schlanker riesiger Kerl mit schwarzen Haaren"
"Harksen!", riefen Ela und ich im Chor.
Wir rasten gemeinsam zum Präsidium. Ich hatte Carla angerufen, weil sie mir einen Gefallen schuldete. Ausserdem hasste sie Harksen wie die Pest. Ich hatte sie gebeten nach der Akte "Desmodus rotundus" zu suchen.
"Meine Güte, siehst Du scheisse aus!", warf mir Carla lächelnd zu. Ich mochte es wenn sie damals so ehrlich zur Kundschaft war. Aber jetzt...
Sie öffnete den Reissverschluss ihrer Jacke und dabei blitzten ihre Brüste neckisch hervor. Als ich bemerkte, dass mich das nicht interessiert, wurde mir klar, wie sehr ich tatsächlich einen Arzt brauchte. Scheisse!
"Hier ist die Akte, die Du wolltest.Und das hier...das lag daneben."
Carla gab mir die Akte und ein kleines Fläschen. Flunitrazepam! Das war es also, was uns alles vergessen ließ. Rohypnol. Harksen dieser Scheisskerl hatte uns unter Drogen gesetzt.
"Wir müssen Idaho anrufen und ihm sagen was mit Marie los ist, und wer dahinter steckt", sagte ich nachdenklich zu Ela.
"Ja, aber sieh Dir das hier erstmal an", antwortete sie und gab mir eine Skizze.
Wie ein Spinnennetz hatte Harksen alle unsere Kontakte und Bewegungen aufgezeichnet. Jedes Detail seines perfiden Plans konnte man anhand der Skizze nachvollziehen. Es war alles geplant. Die falschen Fährten, der Verdacht gegen Idaho und mein Tod in dem Kellerverließ! Jetzt machte es Sinn, was die Lady am Tresen erzählt hatte.
Das Herz in der Ecke ergab jetzt auch einen Sinn. Es galt Ela! Sie war das Objekt seiner Begierde! Die Tatsache, dass er uns in dem schäbigen Hinterzimmer beobachtet hatte, verstärkte seinen Hass gegen mich ins Unendliche. Und ich hatte ihre Manolos für gefährlich gehalten. Ich hatte schon einmal erlebt, was passiert, wenn ein Mann den Halt verliert. Harksen war jetzt völlig ausser Kontrolle. Ich musste ihn aufhalten. Wir mussten zu Harry und alle warnen, die auch nur am Rande mit dieser Geschichte zu tun hatten.
So schnell ich konnte rannte ich hinter Ela her. Der Regen hatte ihre Bluse völlig durchnässt und sie schmiegte sich jetzt ganz sanft und eng an ihren Körper. Ich war froh über diesen Anblick und die dazugehörigen schmutzigen Gedanken. Vielleicht konnte der Arzt noch warten.
Starr vor Schreck blieb sie plötzlich stehen. "Harksen!", zischte sie mir zwischen zwei tiefen Atemzügen zu.
Regungslos stand dieses Schwein vor uns und zielte mit seinem Revolver auf mich.
"Du weisst, dass sie mir gehört!
"Ich scheiss auf Dich Harksen!"
Mit wutverzerrtem Gesicht spannte er den Hahn und drückte ab.
"Nein", schrie Ela und warf sich vor mich. Mit einem Zucken fiel sie mir in die Arme. Aus weit aufgerissenen Augen starrte sie mich an.
Fasungslos blickte ich zu Harksen, der ebenso fassungslos auf Ela starrte.
"Was hätte aus uns werden können...Freunde?", lachte Ela röchelnd.
"Ja, wir wären bestimmt Freunde geworden." antwortete ich mit ihrem Gesicht in meinen Händen.
"Das ist schön." schluchzte sie.
Mit jeder Sekunde wich ein weiteres Stück Leben aus ihrem Körper.
"Du weinst ja" sagte sie fast freudig.
"Nein...ich...ich...der Regen ist mir ins Auge getropft", antwortete ich während wir gemeinsam zu Boden sanken.
"Natürlich...der Regen!" hustete sie lachend.
"Sehen wir uns wieder?, fragte sie erwartungsvoll während sie mich fest umklammerte.
Ich atmete tief durch und nickte weinend. Ihr Griff löste sich und sie schlief lächelnd ein.
Für einen Augenblick hatte ich Harksen vergessen, der jetzt vor mir stand und seinen Waffe erneut auf mich richtete.
"Sie wird für immer mir gehören", stammelte er und drückte ab. Immer wieder.
Die Schüsse verhallten. Ich hörte nur noch das metallische Klicken von Harksens Revolver, den er mit manischem Blick weiter betätigte.
Die einzigen Menschen, die mich jemals weinen sahen waren Ela, Harksen und Harry, der plötzlich mit einem Baseballschläger in der Hand hinter diesem Scheisskerl stand.
Ich sank auf das nasse Pflaster. Es tat nicht mehr weh, weil ich in ihrer Nähe war.
Verfasst am 16.10.2007 00:11:45 Uhr 31 Story by Ela
"Clay !"
Wütend und verzweifelt brüllte ich seinen Namen in die Nacht hinaus, aber die einzige Antwort, die ich bekam, war das klägliche Maunzen eines rolligen Katers.
Plötzlich trat eine vertraute Gestalt aus der Dunkelheit in das schwache Licht der Türöffnung.
"Es scheint mein Schicksal zu sein, das Du diesen Namen schreist, wann immer ich komme." Auf seinem Gesicht lag ein spöttisches Lächeln, aber in seinen Augen erkannte ich Schmerz.
"Idaho..." Erleichtert ließ ich mich in seine angebotenen Armen sinken, und mit seinem vertrauten Geruch kehrte auch die Erinnerung an die letzte Nacht in mein Bewußtsein zurück.
"Es tut mir so leid," flüsterte ich an seiner Brust, "es tut mir so schrecklich leid..."
Mit festem Griff umfasste er meine Schultern und hielt mich von sich, so daß er mir in die Augen schauen konnte.
"Was wir hatten, kann mir niemand mehr nehmen. Für eine Nacht war die Königin mein."
Ich versank in seinem Blick und wusste, uns verband mehr als eine Nacht, aber dies waren weder der richtige Ort noch die richtige Zeit, ihm das zu erklären.
Für den Bruchteil einer Sekunde berührten sich unsere Lippen. "Wir werden einander die Strafe sein, die wir verdienen." flüsterte ich.
Dann löste ich mich widerstrebend aus seinem Griff.
"Ich brauche Deine Hilfe." sagte ich.
"Um IHN zu finden ? Nein, Ela, das kannst Du von mir nicht verlangen."
Traurig schüttelte ich den Kopf.
"Das würde ich auch nicht. Ich werde ihn selbst finden. Aber Du musst Dich um Marie kümmern."
"Marie ?" Verständnislos blickte er mich an.
"Komm, ich habe keine Zeit mehr, Du musst mir versprechen, das Du sie an einen sicheren Ort bringst."
Ich zog ihn an der Hand in Harrys Bar hinein, wo dieser gerade energischen Schrittes mit einem Eimer an den Tisch stapfte, an dem Marie noch immer saß und unzusammenhängende Sätze vor sich hin brabbelte.
Er würde doch nicht .... ?! Doch.
Natürlich würde er ... ich hörte ein lautes Klatschen ... oh Harry !
Minuten später stand ich auf der Straße und der kalte Wind und meine Angst trieben mir die Tränen in die Augen.
Aber dies war nicht der Moment für dramatische Ausbrüche, jetzt, wo meine Erinnerung wieder zurückgekehrt war wußte ich, Clay befand sich in großer Gefahr.
Ein Bild von Harksens dreckigem Grinsen schoß mir durch den Kopf und noch einmal spürte ich den Schmerz der Nadel in meiner Schulter und hörte seine eiskalte Stimme in meinem Ohr zischen: " Ich wußte es, von dem Moment an, als ich Eure geile kleine Nummer im Hinterzimmer bewundert habe. Du wirst ihn zu mir führen, Du gehörst jetzt mir und Du wirst es sein, die ihm den Tod bringt."
Die Erinnerung an sein wahnsinniges Lachen beschleunigte meine Schritte und ich rannte nun, rannte zurück zu diesem verlassenen Gebäude, in dem ich allein wieder zu mir gekommen war in der letzten Nacht...
Stunden später lief ich den gleichen Weg zurück. Ich war der Verzweiflung nah, ich konnte ihn einfach nicht finden.
Ich brauchte Harry, er war der einzige, der mir nun noch helfen konnte.
Die Tür zur Kneipe stand offen und ich konnte seinen vertrauten Rücken sehen, lange bevor ich die Bar betrat.
"Clay ! Du verdammter Scheißkerl !" Tränen der Erleichterung und der Wut liefen mir übers Gesicht.
Mühselig drehte er sich um.
Ich schnappte erschrocken nach Luft und war in Sekundenschnelle bei ihm, um ihn zu halten.
"Clay, oh Gott, was ist mit Dir passiert ? "
Sein Gesicht sah aus, als sei er unter einen Zug geraten, und obwohl er mich anlächelte sah ich, er musste wahnsinnige Schmerzen haben. "He Kleine."
"Na endlich, Madame" knurrte Harry mich an. "Und jetzt erspart mir schnulzige Wiedersehensszenen und sieh zu, das Du Deinen kleinen Arsch bewegst und diesen sturen Esel zu einem Arzt schaffst !"
"Ich brauche keinen ...." setzte Clay an, aber sein heftiges Atmen zeigte mir, das Harry recht hatte. Mein Held hatte wahnsinnige Schmerzen und wollte es nicht zugeben. Diesmal hatte es ihn erwischt.
"Komm," sagte ich zärtlich, "gehen wir." Und ausnahmsweise ohne Widerrede ließ er sich von mir aus der Bar ziehen.
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